Pater Hubertus Pauels
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Paray-Ie-Monial - die Stadt der Herz-Jesu-Verehrung

 

Der 5. Oktober 1986 war der Höhepunkt für die Stadt, in der das göttliche Herz Jesu sich der hl. Margaretha Maria Alacoque geoffenbart hatte. Durch den Besuch des Hl. Vaters sah sie sich in dem Anspruch bestätigt, die eigentliche Stadt des göttlichen Herzens zu sein.

Doch bis zur Stunde legen zwei Städte Wert darauf, das Erstgeburtsrecht dieser Verehrung zu besitzen.

Zunächst Poitiers. In seiner zweiten Ausbreitungswelle gelang es dem Islam, um 711 Nordafrika zu erobern und sogar nach Gibraltar vorzudringen. So war es ein Leichtes, sich Spaniens zu bemächtigen und mit einer beispiellosen Wucht über die Pyrenäen nach Süd-Frankreich vorzustoßen. Um 732 erreichten sie Poitiers. Wer war der Retter in höchster Not? Der Franke Karl Martell. Er schlug die Araber zurück und befreite Frankreich gänzlich von den Eindringlingen. Ein kleiner Rest blieb in Lordes (Lourdes), das sich nach einigen Monaten ergab.

Als 1870 die vierte französische Revolution ausbrach, die ebenso grausam wie die erste war - bekannt unter dem Namen Commune - entschloss sich Kardinal Pie, Bischof eben von Poitiers, seine Stadt und Frankreich dem göttlichen Herzen zu weihen in der Hoffnung, dass gerade dort - in Erinnerung an den Sieg Karl Martells das Nationalheiligtum Frankreichs errichtet würde. Doch dann reagierte Paris ganz anders. Sie stützten sich auf einen Brief der hl. Margaretha, an den König Ludwig XIV. gerichtet, dass das göttliche Herz Jesu Wert darauf lege, auch in den Palästen der Großen geehrt zu werden, wie er in den Palästen der Großen - Herodes und Pilatus - wie in dem Amtssitz der Hohenpriester Annas und Kaiphas verspottet worden war.

1873 - im Jubiläumsjahr der ersten Erscheinung des Herzens des Gottessohnes an die hl. Schwester der Heimsuchung, wollte das gläubige Frankreich auf dem Montmartre dieses Heiligtum errichten - im Geiste der Sühne für die Grausamkeiten und Hingerichteten der Commune und zugleich als Zeichen der Weihe. Die Mehrheit des Parlamentes - mehr als 250 - zog durch die Straßen von Paris mit einer Herz-Jesu-Plakette auf dem Revers und forderten einen diesbezüglichen Beschluss der Kammer.

Man staune: es fand 1875 die entsprechende Abstimmung statt, die die diesbezügliche Absicht anerkannte und bestätigte. So ist bis zur Stunde das eigentliche Wahrzeichen der französischen Hauptstadt nicht der Eiffelturm, sondern die Basilika auf dem Montmartre, eine einzigartige Markierung der Silhouette der Lichtstadt.

Aber beiden Städten bot in dem Ringen um die Ehre, Stadt des göttlichen Herzens zu sein, Marseille die Stirn. Es war im Jahre 1720, als nach dem Tode Ludwigs XIV. Hungersnot und Kriege das Land verunsicherten. Marseille fasste in seiner Not den Entschluss, sich dem Herzen Jesu zu weihen. Als Zeichen dieser Weihe wurde der Bürgermeister beauftragt, jedes Jahr ein Kerzenopfer dem Priester in einer eigenen Gedenkmesse zu überreichen. In Treue standen die Generationen trotz politischer Ungunst zu diesem Versprechen.

Was tat Marseille beim Ausbruch der Greuel der Commune? Eine revolutionäre Bande stürmte in das Kloster der Jesuiten, verhaftete die Patres, plünderten das Haus und suchten die Macht an sich zu reißen. Doch die Ereignisse nahmen einen anderen Verlauf. Als der Magistrat der Stadt sich weigerte, die Weihe zu erneuern - man stand vor dem Herz-Jesu-Fest, das am 20. Oktober nach altem Brauch gefeiert werden sollte, weigerte er sich zum ersten Mal, das geschichtliche Versprechen zu erneuern. Es bildete sich ein Komitee, wählte den Stadtrat Deluil-Martiny, der die rechte Hand des Bürgermeisters war - ein glänzender Advokat - zu ihrem Präsidenten und baten ihn, trotz allem die Weihe zu erneuern und das Kerzenopfer an den Altar zu bringen.

Als sie sich zur Kathedrale aufmachten, flüsterte ihm ein Freund zu, dass ein Mordkommando unterwegs sei. Er dagegen ließ sich nicht beeindrucken, seine beiden Töchter stellten sich entschlossen ganz eng an die Seite ihres Vaters und begleiteten ihn zum Altar. Eine Feier, wie sie Marseille kaum erlebt hat!

Und die Antwort des Herrn? Drei Jahre später am 8. Dezember gründete die Älteste seiner Töchter das Institut die Frauen vom Zönakel, um das sie fünf Jahre gerungen hatte. Eine gütige Segenstat des göttlichen Herzens!

Aber dieses Herz steht zu seinem Wort auf den letzten Seiten der Heiligen Schrift (Apk): „Wen ich liebe, den tadle und züchtige ich." Im Februar - zwei Jahre nach dem großartigen Weiheakt des Vaters - starb der einzige Sohn des Advokaten: Julis. Ein halbes Jahr später seine jüngste Tochter! Amalia, die Mutter, gebeugt von Schmerz vier Jahre nach ihren beiden Kindern.

Aber weder Vater noch seine älteste Tochter ließen sich in der Liebe zum göttlichen Herzen beirren. Sie vertrauten sich der Immaculata an. Der größte Erweis der christlichen Liebe ist die bewusste und freiwillige Hingabe des Lebens. Diesen Beweis gab Maria von Jesus - so der Klostername der Ältesten. Sie wurde am Aschermittwoch des Jahres, vierzehn Jahre nach dem einmaligen Treueakt ihres Vaters, ermordet: Ihr Tod war die Vollendung ihres Lebens als Martyrium der verzeihenden Liebe und das Ja zu ihrer Hingabe als Schlachtopfer, im Geist des Immaculatafestes 1868.

Von: P. DDr. Pauels

Aus Die Ehrenwache, Heft 4, 49. Jg. 1987

 

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